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Chasseral oder der letzte Grund

Der Langstreckenläufer mag einsam sein, der Langstreckenvelofahrer ist es nicht. Und weil die Route vom BFS via Zihlkanal und entlang des Bielersees mittlerweile etwas langweilig geworden ist, wurde vom Interkantonalen Verband der Pedalenden Bierfreunde (IVPB) entschieden, die 20 Rumba Challenge Punkte für die Riesenherausforderung «mit dem Velo zur Arbeit» anhand einer Etappe via des zu Stein gewordenen Mythos des Juras, dem 1606 m.ü.M. gelegenen Chasseral zu vergeben. Also trafen sich um 15:30 Marc S. und sein Gast Jimmy J., beide aus der Demokratischen Republik Aargovia, sowie Christoph P. aus den Vereinigten Freien Territorien des Zürcher Oberlandes auf dem Bahnhofplatz Neuenburg. Bananen und Balistos wurden in die Taschen gesteckt, die Reifen gepumpt und die Beine nochmals kurz durchgeschüttelt bevor es gleich steil bergauf Richtung Val de Ruz ging. Nach knapp 20 km die erste Aufregung: die Strasse durch die enge Schlucht nach Le Paquier war wegen Bauarbeiten komplett gesperrt und auch für die drei Pedaleurs de Charmes wurde keine Ausnahme gemacht – die Offizielle mit dem übersteigerten Pflichtbewusstsein verstand keinen Spass. Nach einem kurzen aber steilen Umweg begann der richtige, 10 km lange Schlussaufstieg zum Mont Ventoux der Westschweiz, an den sich weder die Tour de Suisse noch die Tour de Romandie jemals trauten. Würde sich hier die Streu vom Weizen trennen? Die Gegend wurde immer wilder, tiefe Schluchten, jurassische Monsterkühe, rostige Bovi-Stops, rasende Subarufahrer und ein giftiger Wind im Nacken setzten dieser Feierabendausfahrt zu. Wie gut konnte man den Turm am Etappenziel schon von Weitem sehen, die Aussicht auf den Mount Gerstensaft motivierte zusätzlich – die Kohlenhydrate waren langsam aufgebraucht und sollten dringend wieder gefüllt werden. Die Flame Rouge war bald erreicht und die drei Bergflöhe trampten locker Richtung Restaurant. Nachdem die Kräfte zurückkehrten, interessierte nur noch die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der 20 km langen Abfahrt nach Twann. Leider war Marc S.s Tacho nicht ganz so konzentriert bei der Sache und zeigte deutlich zu niedrige Werte an. Der Richter, sein Henker und Jimmy J. füllten sich abschliessend beim Alten Schweizer ihr Rossmägen um sich nicht ausschliesslich mit den etwas mageren 20 Rumba-Punkte für diesen Sondereffort ins Bett machen zu müssen …